Hélène Rumer, Niedergeschlagen

übersetzt aus dem Französischen von Daniel Oesch

Paul, ein sportlicher Mittvierziger und ehemaliger leitender Angestellter, erträgt sein Arbeitslosendasein nicht mehr. Flore, seine Ehefrau, bietet Tag für Tag diesem jähzornig und brutal gewordenen Ehemann die Stirn aufs Neue und versucht, Würde zu bewahren, während sie weiterhin am Konservatorium Geigenunterricht gibt. Das Ehepaar bewegt sich in der Erstarrtheit des Alltags, der von gelegentlichen Konfrontationen unterbrochen wird. Die knapp dreijährige Marie steht zwischen ihren Eltern, die sich ständig in den Haaren liegen, und versucht – mehr schlecht als recht – heranzuwachsen.

Hélène Rumer gewährt uns Einblick in die Intimität dieses Paares, wo das Schweigen schon seit langem Einzug gehalten hat. Mit einfachen und treffenden Worten gibt die Autorin die Emotionen und Empfindungen der Personen wieder und beschreibt das komplexe Universum der ehelichen Gewalt, wo sich Schweigen, zerstörerisches Unausgesprochenes und unterdrücktes Erleiden vermischen. Eine gleichermaßen unerwartete und tragische (Auf-)Lösung konfrontiert den Leser mit einer brutalen Realität.

März 2012, 100 Seiten, ISBN 978-3-9523550-2-2, CHF 29 / € 24

Erhältlich auf Bestellung im Buchhandel, an Lager in folgenden Buchhandlungen:
Schweiz:    Buchhandlung Klio, Zürich
Frankreich: Librairie de L’Autre Livre, 13 rue de l’école polytechnique, Paris 5e 

Es liegen folgende Rezensionen vor über Niedergeschlagen:
bookreviews.at/2015/11/02/niedergeschlagen
Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 17.07.2012

 

TEXTAUSZUG

Seltsamerweise hilft die Tochter unbewusst mit, den zerbrechlichen Wall des künstlichen Familienfriedens wiederaufzubauen, eines Friedens, der so lange hält, wie er eben hält, nämlich kurz. Sie schweigt, spielt mit ihren Puppen, isst folgsam. Sie ist noch keine drei Jahre alt, weiß aber schon so vieles: Von ihrem morgendlichen Abenteuer wird sie kein Wort verraten. Als stille Komplizin weiß sie, dass sie schweigen muss. Die Mutter ihrerseits will von nun an nur noch eines: Sie will leben, statt bloß zu überleben, sie will frei sein. Was kümmern sie Einsamkeit, Armut, Angst und das Unverständnis der Spießbürger, wenn diese der Preis sind, den sie für ihre Freiheit zahlen muss. Das wahre Leben ist nicht hier, an der Seite dieses Mannes, der zum Despot und Peiniger wurde.